Der Wille zur Nacht
Für Jean Benoït (1922–2010)
A ngeblich genügt es eine Unze Zinn
In einen Topf frischen Blutes zu gießen
In einen schweren Topf mit zwei zu Sternen emporgehobenen Tentakeln
In deren Licht das von den Augen in die Flamme fällt
Es hier außer aus euch auch aus einem Pferd qualmt
Bleibt also reglos
Bald erscheint der Mond
Und vor eurer Schwelle wird sich backen wörtlich backen
Das Flüstern eines verdammten Kennworts
Es gibt keine heißere Sehnsucht als die Sehnsucht nach Freiheit
Die selbst den Tannensamen zwingt
Sich der Fäulnis hinzugeben statt Wurzeln zu schlagen
Übrigens ist alles notwendig
Es gibt hier auch Netze mit gespitzten Ohren
Über eine Mauer geworfen voll von Rissen die eine Schlucht darstellen
Auf deren Grund
Sich knackend Bilsenkraut dehnt
Ein Eulengesang verwischt die Zahl der Wörter
deren es zu dieser verbotenen Arbeit bedarf
Nehmt Kopftücher und dicke Jacken
Nach Mitternacht werdet ihr vielleicht Liebe begehren
mit den Knechten der Kirchenbastarde
Die schamlos einen allmachtgemästeten Gott verehren
Das Meeretich hat die Augen voll Tränen während es vor Lachen röhrt
Und das Herz voller Holz
Gott liebt nicht Gott amüsiert sich nur
In die feuchten Alben eurer Träume blickend
Hie und da leckt er davon das Blut ab
Hie und da einen Rest von Eiter
Hie und da schüttelt er seine mächtige Mähne
Und von seinem Antlitz erhebt sich mit rasendem Summen
Ein Schwärm von grünen und schwarzen Fliegen
Um die Ärsche eurer wasserleibigen Kinder zu befallen
Es gibt Wege die sich mehrmals scheiden
Doch dann bleiben sie still und bewegungslos liegen wie erschlagene Vipern
Am Ende ist nur noch Nebel
Kehrt daher zurück
Zu eurer Geige voller Gekreisch
Zu euren Zinntrichtern fürs Verstärken des Geröchels
Zu euren Metzgerschwerten mit abgegriffenen Brüsten
Denn diese Durchgänge zwischen Räumen
In denen der Duft von Mohn und Minze steht
Und in denen seit Uhrzeiten Schnitzerwaagen schwanken
Wird niemand von euch passieren
Es ist spät
Es gibt vom Rost versengte Berghänge wie Pfähle in den Augen
Zerrissene Berghänge im Traum einer Frau
Berghänge die sich wie Hautkleider blähen
Berghänge-Kreise die sich in Kreisen drehen
Und Berghänge mit besudelten Namen der mit Verbrechen umgehängten Päpste
Man hat keine Wahl
Um die stille Schlucht herum die sich zur Zeremonie hinlegt
Glühen die Nüstern der Felsen immer stärker
von der grünen Glut des geschwängrten Mooses
Und während alles sich
in Gewänder von der Farbe der natürlichen Kohle umzieht
Während das Eicheisen in dem Korb der Begierde
Sich zur Farbe des lebendigen Kalks erhitzt
Während die Frau mit Strohhaar auf den Knien naht
Um den Penis des Grabs zu küssen
Der Atem der Nacht wird für einen Augenblick feucht
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