Der Riss eines Hauses
Für Mimi Parent (1924–2005)
W ieviele Gänge hat dieses ins Unabsehbare sich verästelnde Haus
An dem der Wind erwachte
Und nun mit allen Türen schlägt
Zwischen allen Klinkenfingern weht
Am brünetten Geländer rüttelt
An den Pfeifen der atemringenden Orgel zerrt
Und in den Tiefen der Säle entschwindet in denen Kristallkugeln von Wörtern rollen
Es herrscht Stille
Irgendwo knirscht der Schnee
Und klappern Absätze von Kinderlackschuhen
Ein kleines weißes Mädchen mit rissigen Händen
Hüpft pedantisch über das Sprungseil der Nabelschnur
Und lächelt grausam
Jedesmal wenn es die Lippen halb öffnet fällt ein Schatten heraus
Während der Frost weiße Venen auf dem Spiegel des Tisches baut
Über dem sich sogleich ein Tischtuch des Blutes entrollt
Dreht euch ein wenig um
Das Fenster gibt nicht das Bild eurer Gesichter wieder
Dafür stellt es das her
Ihr seid zum rechten Glauben bekehrt
Von rechts nach links
Hinter euch steht nur eine Frau
Sie lächelt
Öffnet ihren Mantel
Und enthüllt ihre unzähligen Brüste
Mit winzigen Sprüngen besät aus denen Teer tritt
Eine Frau mit voluminösen Penis der bis zum Boden hängt
Aus versengten Zeitungen herausgebröckel
Aus tausenden Schichten mit Nachrichten bedruckten Blätter geschaffen
Deren Bedeutung nur noch die Feuchtigkeit zu würdigen weiß
Man riecht Kartoffelschimmel
Windeln dampfen ihre Handflächen
Ein Pferd aus Lumpen tritt sturmläutend die Lumpenglocke
Alles biegt sich unter den Hieben der Stille
Wände tränen
Die Milchhaut des Paravents überzieht sich mit Purpur des Ekels
Haar überwuchert die Decke
Und aus dem Schatten der wie Honiglava fließt
Erscheint leise auf der Oberfläche die siebenteilige Geige
Es scheint es wäre früher Morgen
Ein Wasserhahn kräht listig gegen die Zeit
Was für ein Treffen mit einem pendelnden Mann mit leerem Bauch
Den er wie einen Koffer öffnet um zu zeigen
daß er wirklich keine Gedärme hat
Was für eine Begegnung
Was für ein Rostverlust
Schält euch
Gebt euch einmal einen Anlaß zum Abdanken
Ihr wißt wohl wovon ihr träumt wenn ihr die Faust ballt
und den Mut mit der Hingabe verwechselt
Seht da die schweren Holzvögel trinken von eurem Waschbecken Urin
Den ihr nach dem ersten Schuß des Geistes gelassen habt
Des trockenen Strohs der gegen die salzigen Hoffnungen entflammte
Übrigens seid ihr nicht mal das Stottern der Zeitmörder wert
Wir können euch nur mit blutgetränkten Handtüchern klatschen
Die Kleiderschränke zum Stöhnen bringen
Ein Bett versteinern
Und die Abendbrotreste entfernen
Eine alte Uhr beginnt von selbst zu gehen um diesem runzligen Anblick zu entkommen
Der eine gute Portion der grafischen Komik nicht entbehrt
Es geht um die Wanderung eines Kindes
mit dem durch die berüchtigte Galileische Falle zerbrochenen Rückgrat
Bleibestecke rollen sich im Vorgefühl rohen Fleisches ein
Es ist immer noch von nichts mehr als von halb eins
Gut nennen wir das Haus Baum und den Baum Haus
Einige von euch werden glauben wir scherzen
Das ist nicht der Fall
Wir stochern nur konsequent in den Zähnen der Zeit
Mit ihrer Pechfäule
Wir haben keinen Grund unsere Verkleidungen zu wechseln
Weiße Haut gegen schwarze oder schwarze gegen gelbe zu tauschen
Wir sind schwarz vor Haß gelb vor Wut
Und weiß vor Trauer darüber
Daß ihr euch noch mit denselben Namen nennen dürft
Die auch auf unseren Türen geschrieben stehen
Daß ihr euch mit Fragen an uns wenden dürft
Ihr arbeitsfrohen Prudler mit euren arbeitsfrohen Rechten
Von der Lepra des gesunden Menschenverstandes befallen
In die blinden venezianischen Spiegel
der minderwertigen Operette verhext
Über dem Profit und der Macht
Es ist früher Morgen
Vom Hof her hört man Hiebe in einen Teppich mit dem Bild der Rose
Die Turmuhr schlägt ein blasses und nachdenkliches Kind
Schritte entfernen sich in Sprüngen
Der Mond geht auf
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